Durchweg winterliche Temperaturen begleiteten unsere Ausstellung “Helden des Alltags” im offenen Vorraum der FVKS-Geschäftsstelle am Görlitzer Untermarkt. Vom 27. Januar bis zum 28. Februar 2009 erinnerte der FVKS mit seiner Dokumentation an jene, die sich in den schwierigen Zeiten der NS-Diktatur selbst in Gefahr brachten, um anderen zu helfen.
Nun stellen wir Ihnen wöchentlich weitere “Gerechte unter den Völkern” vor.
Hans Hartmann*
Gedenkhalle in Yad Vashem Jerusalem**
War Hauptmann bei der Heereskraftfahrzeugeinheit 457, ein Reparaturdepot der Wehrmacht, bei Lwow in Ostgalizien.
Hunderte Juden waren dort als Zwangsarbeiter eingesetzt.
Im Februar 1942 wurden Vater und Sohn Goldberg vom Rest der Familie im Ghetto Lwow getrennt und ins berüchtigte KZ Janowska überstellt. Gittel Goldberg, die Mutter, riskierte in ihrer Not ihr Leben und verließ das Ghetto, was damals unter Todesstrafe stand.
Auf der Straße sprach sie viele deutsche Offiziere an mit der Bitte, ihren Ehemann und ihren 19-jährigen Sohn aus Janowska zu befreien. Die meisten Offiziere ließen sie einfach stehen.
Der Einzige, der stehen blieb und sich ihre Geschichte anhörte war Hans Hartmann. Er schrieb alles Wichtige in sein Notizbuch und versprach zu helfen. In den folgenden Tagen versuchte er alles, um die Freilassung der beiden Goldbergs zu erwirken. Zuletzt fuhr er mit einem Militärfahrzeug persönlich zum Haupttor des Lagers und nahm die beiden Gefangenen mit. Er brachte sie zurück ins Ghetto.
Für die SS war diese Angelegenheit noch lange nicht erledigt. Er musste seinen Dienst in Lwow beenden und wurde zum Afrikakorps strafversetzt.
Die Goldbergs überlebten den Krieg und emigrierten 1949 nach Israel.
Am 16. Juli 1963 wurde Hans Hartmann von Yad Vashem als einer der Gerechten unter den Völkern geehrt.
- * Text: Monika Kamphake (Quelle: Gutman, I. Lexikon der Gerechten unter den Völkern, Göttingen, 2005, 2. Auflage, S. 139-140)
- ** Bild: Timo Roller, Wildberg
