
Allee der Gerechten in Jerusalem
Hans Walz wurde am 21. März 1883 in Stuttgart geboren und war einer der führenden Industriellen. Viele Jahre war er Direktor der Bosch-Werke in Stuttgart und enger Vertrauter von Robert Bosch.
In den späten 30-er Jahren erkannte er die Sinnlosigkeit offener politischer Tätigkeit und widmete sich daraufhin in voller Übereinstimmung mit Robert Bosch der heimlichen Hilfe für verfolgte Juden. Sein wichtigster Helfer war Dr. Karl Adler, ein jüdischer Musiklehrer, der nach 1938 die jüdische Mittelstelle in Stuttgart übernahm, die in den letzten Jahren vor dem Krieg Auswanderungen vermittelte.
Zwischen 1938 und 1940 förderte die Mittelstelle auf Umwegen mit mehreren 100.000 RM diese Initiative . Dieses Geld wurde verwendet, um jüdische Gefangene aus Konzentrationslagern freizukaufen und über die Grenze in Sicherheit zu bringen.
Einer der dramatischten Vorfälle ereignete sich im im August 1939, als eine Gruppe von 17 Juden aus Köln, die von der Gestapo daran gehindert wurden, die französische Grenze zu überschreiten. Gestapo bestand auf einer enorm hohen Summe als Lösegeld und Adler wandte sich verzweifelt an Walz. Der stellte innerhalb einer Stunde diese Summe zur Verfügung.
Am 02. Januar 1969 wurde Hans Walz von Yad Vashem in Jerusalem als Gerechter unter den Völkern geehrt.
Quelle: Fraenkel, D. und Borut, J. (Hrsg.): Lexikon der Gerechten unter den Völkern - Deutsche und Österreicher, Göttingen 2005, S. 278-279
Bildquelle: Yad Vashem Jerusalem

Monsignore August Ruf
August Ruf wurde am 05. November 1869 in Ettenheim geboren und langjähriger Pfarrer der Peter und Paul-Kirche in Singen.
Im Mai 1942 bat ihn eine unbekannte Jüdin, ihr zur Flucht in die Schweiz zu verhelfen. Die aus Berlin stammende jüdische Witwe Kataharina Lasker-Meyer hatte sich Anfang Januar 1942 der Deportation nach Polen entzogen.
Monsignore Ruf wandte sich in Singen an seinen früheren Vikar, den in Wiechs amtierenden Eugen Weiler (geboren am 26. Mai 1900). Dieser zögerte nicht lange und noch am selben Abend nahm er die verfolgte Jüdin zu Fuß mit nach Wiechs und am 21. Mai 1942 führte er sie bis an die Grenze.
Sie war damit gerettet, aber für die beiden Retter war es der Anfang eines langen Leidensweges. Weiler wurde am 01. Juni 1942 verhaftet und musste drei Jahre in Gefängnissen und im KZ Dachau verbringen.
Im Dezember 1943 kam auch Monsignore Ruf ins Gefängnis. Gesundheitlich sehr geschwächt, stand er die Haft nicht durch. Todkrank wurde er entlassen und kurz darauf, am 08. April 1944 verstarb er.
Am 11. November 2004 wurden Monsignore August Ruf und Eugen Weiler von Yad Vashem in Jerusalem als Gerechte unter den Völkern geehrt.
Quellen: Fraenkel, D. und Borut, J. (Hrsg.): Lexikon der Gerechten unter den Völkern - Deutsche und Österreicher, Göttingen 2005, S. 235
Bildquelle: August-Ruf-Bildungszentrum Ettenheim

Yad Vashem - Neue Halle der Namen
Professor Fritz Strassmann wurde am 22. Februar 1902 in Boppard geboren. Er war ein Chemiker von Weltruf und gehörte zu einem Forscherteam, welches die Kernspaltung erforschte.
1920 begann er ein Studium der Chemie in Berlin- Dahlem. 1929 bekam er ein Stipendium für Chemie am Kaiser Wilhelm Institut. Dort waren seine Lehrer Professor Otto Hahn und Professorin Lise Meitner. 1938 musste Lise Meitner wegen ihrer jüdischen Abstammung Deutschland verlassen.
Strassmann weigerte sich konsequent sich von seiner jüdischen Kollegin zu distanzieren. 1934 verlor er eine gute Stellung, weil er sich weigerte der NSDAP beizutreten.
Im März 1943 wurde er gebeten, eine Jüdin zu verbergen. Andrea Wolffenstein war bis dahin im Hause der Schwestern Schiemann versteckt. Strassmann war sofort bereit, sie aufzunehmen, aber die Situation wurde dadurch erschwert, dass der Hausmeister und seine Nachbarn überzeugte Nazis waren. Sie blieb bei ihm bis die Situation in Berlin für Juden zu gefährlich wurde und danach in andere sichere Unterkünfte verbracht werden musste.
Am 16. Juli 1985 wurde Fritz Strassmann von Yad Vashem in Jerusalem als Gerechter unter den Völkern geehrt.
Quelle: Gutman, I. (Hrsg.): Lexikon der Gerechten unter den Völkern – Deutsche und Österreicher, Göttingen 2005, 2. Auflage, S. 267-268
Bildquelle: Yad Vashem Jerusalem